Siemens: Neue Verkabelungsinfrastruktur integriert alle Dienste

Umzüge bergen oft die Chance, überholte Technologien abzulösen. So auch bei Siemens Power Generation (PG). Der Offenbacher Standort des Siemens-Geschäftsbereichs stieg beim Einzug in neue Räume komplett auf eine Klasse F Verkabelung von Siemon um.

Im Herbst 2004 war es bei Siemens PG in Offenbach so weit: Rund 850 Mitarbeiter des auf Projektierung und Planung von Kraftwerksanlagen spezialisierten Standorts zogen um. Sie verlegten ihre Büros aus den bisherigen, nicht mehr zeitgemäßen Räumlichkeiten einige hundert Meter weiter in das soeben fertig gestellte Main Office Center eine hochmoderne Büroimmobilie. Das Gebäude, das ungefähr 24.000 Quadratmeter Bürofläche auf fünf Geschossen umfasst, wurde von dem Bauunternehmen Hochtief AG errichtet und gehört inzwischen der DEKA-Gruppe.


Weil Siemens PG sich sehr frühzeitig entschloss, dort einzuziehen, konnte das Unternehmen die Infrastrukturentscheidungen beeinflussen. Daher entspricht die heute vorhandene Verkabelung genau den Anforderungen des Energiespezialisten. Mit Halbheiten gab sich Siemens PG dabei nicht zufrieden. "Wir wollten auf jeden Fall eine Infrastruktur, die multimediafähig ist", berichtet Horst Gaubatz, der in Offenbach für Standortaufgaben zuständig ist. Weil die tertiäre Verkabelungsebene bis zum Arbeitsplatz aus Kostengründen in Kupfer ausgeführt werden sollte, kam nur eine Klasse F Verkabelung in Frage. "Auf einer solchen Verkabelung kann man Sprache, Daten und andere Dienste kombinieren", sagt Gaubatz. Nur ein zertifiziertes, normkonformes Klasse F Verkabelungssystem stellt zudem sicher, dass der Anwender, wenn dies erforderlich ist, auch am Arbeitsplatz mit 10 GBit/s Daten senden und empfangen kann.

Ausgewählt wurde das TERA™-Verkabelungssystem des amerikanischen Herstellers Siemon. "Das TERATM-System von Siemon bietet uns als geschirmte, standardkonforme Klasse F Gesamtlösung für die Verkabelung die Möglichkeit, weit in die Zukunft hinein zu planen", betont Gaubatz. Das vollgeschirmte System schützt optimal gegen Übersprechen von benachbarten Adernpaaren.

"Das Verkabelungssystem unterstützt 1200 MHz und damit beinahe doppelt so viel wie für die Klasse F vorgeschrieben ist. Mit dem Kabel kann man sogar Breitband- TV (CATV) auf einem Adernpaar übertragen, während die übrigen drei Adernpaare andere Aufgaben übernehmen", erklärt Peter Breuer, Regional Director Central EMEA bei Siemon.

Flexibel durch teilbare Steckverbinder

Ein weiterer Vorteil für den Kunden liegt in dem teilbar aufgebauten System. "Wir können die Stecker je nach Bedarf mit unterschiedlichen Diensten belegen", erklärt Gaubatz. "Zum Beispiel können wir vier Telefone anschließen, die jeweils ein Adernpaar belegen, wir können aber auch zwei Telefone mit dem Modul patchen und die restlichen beiden Adernpaare für eine Ethernet-Übertragung mit 10 oder 100 MBit/s verwenden." Nur wenn an einem Arbeitsplatz 1 oder 10 GBit/s Bandbreite benötigt wird, beansprucht die Datenübertragung alle acht Adern, so dass an diesem Kabel keine weiteren Dienste mehr betrieben werden können.

Die Module werden jeweils in durch aufklappbare Abdeckplatten geschützten Bodentanks im Boden installiert. Daran werden die Patchkabel, zur Verbindung mit dem Endgerät, angeschlossen. Auf rund 50 Quadratmeter Bürofläche befinden sich sechs Bodentanks, so dass immer genügend Steckplätze vorhanden sind, um den gesamten Bedarf eines Büroraums abzudecken.

Wegen der Flexibilität der Verkabelung konnte Siemens PG in Offenbach beim Umzug in die neuen Räume die Telefonie auf Voice over IP umrüsten. "So brauchten wir keine separate Telefonie-Verkabelung mehr", sagt Gaubatz zufrieden. Alle 850 Arbeitsplätze sind mit VoIP ausgerüstet. Neben den üblichen Office-Applikationen und der Telefonie laufen noch weitere Applikationen über die Infrastruktur: Rund fünf Prozent der Anwender arbeiten mit CAD-Systemen, die große Dateien erzeugen. Weiter sind das Zugangs-Kontrollsystem und die vier Kassensysteme der Kantine angeschlossen. Das alles ist kein Problem für das TERA™-System.

20 Jahre Garantie und persönliche Betreuung

Erfreulich ist für Siemens PG die weitreichende Gewährleistung, die Siemon übernimmt. "Die Systemgarantie läuft 20 Jahre", freut sich Gaubatz. Sie bezieht auch von Siemon gelieferte Patchkabel mit ein und gilt sowohl für Funktionen als auch für Applikationen. Der Kunde hat in der deutschen Niederlassung des Kabelspezialisten im benachbarten Frankfurt mit Account Manager Stefan Brand einen direkten Ansprechpartner, der zur Unterstützung zur Verfügung steht, falls einmal Probleme auftreten sollten.

Von dieser Möglichkeit musste Siemens PG allerdings bisher keinen Gebrauch machen. Das liegt unter anderem an der sorgfältigen Verlegung und Zertifizierung der gesamten Infrastruktur. Die Implementierung übernahmen acht Mitarbeiter des Elektroinstallations-Spezialisten Elektro Klein AG aus dem nahe gelegenen Bibergmünd. Die Firma ist einer von 20 zertifizierten Siemon-Partnern in Deutschland.

"Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Partner das nötige Wissen erwerben, bevor sie zum Kunden gehen", betont Breuer. Um eine Zertifizierung von Siemon zu erhalten, müssen potentielle Partner mindestens zwei Mitarbeiter jeweils eine Woche lang bei Siemon in Design und Netzwerkimplementierung schulen lassen.

Das heutige Netzwerk umfasst rund 320 Kilometer Kupferkabel, die durchgehend in Hohlböden verlegt sind. Sie sind mit Cisco-Switches in zehn Verteilerräumen verbunden, die die Etagen erschließen. Den Kern der Infrastruktur bilden zwei Serverräume und ein Glasfaser-Backbone. Auch die Verbindungen zwischen Server- und Verteilerräumen sind in Glasfaser ausgeführt Die Kosten des Netzwerks beliefen sich inklusive Material, Test und Implementierung auf rund 600.000 Euro.

Die Einrichtung und der Test aller Verbindungen beanspruchten rund zwei Monate der achtzehnmonatigen Bauzeit des neuen Bürocenters. Ein Teil dieser Zeit entfiel auf die Zertifizierung der einzelnen Verbindungen, denn jede Verkabelungsstrecke muss separat gemessen werden. "Diese Zertifizierung ist bei uns ein Bestandteil der Garantie", sagt Brand. Die Verkabelungsstrecken müssen bei den Abnahmemessungen bestimmte festgeschriebene Parameter erfüllen, die für die Klasse F vorgeschrieben sind. Nach dieser Abnahmeprozedur kann der Kunde sicher sein, dass die Infrastruktur für die 20 jährige Laufzeit der Systemgarantie ihre Aufgabe erfüllen kann.

Tatsächlich ist Horst Gaubatz mit den bisherigen Erfahrungen sehr zufrieden. "Seit der Inbetriebnahme im Oktober 2004 gab es keine Störungen", sagt er. Gaubatz geht nun dazu über, auch bei der weiteren Beschaffung nur noch Orginalpatchkabel von Siemon einzusetzen. "Die Siemon-Patchkabel sind bei starker Beanspruchung einfach verlässlicher", betont er. Andere Kabel dagegen erzeugten, wenn sie oft umgesteckt werden müssen, öfter Wackelkontakte an Endgeräten, wie zum Beispiel Laptops. "Wenn deswegen während eines Trainings die Präsentation nicht funktioniert, ist das schon ärgerlich", begründet Gaubatz, warum er für solche Zwecke nur noch Siemon-Patchkabel nutzt.

Für den weiteren Ausbau der Infrastruktur seines Standorts fühlt sich Gaubatz dank Siemon bestens gerüstet. "Es ist gut möglich, dass wir in einigen Jahren an eine Umstellung des gesamten Netzes auf 10 GBit/s denken werden", schaut er nach vorn. "Dank der Leistungsfähigkeit des TERA™-Systems wird das ohne Austausch der Verkabelung möglich sein, sobald wir es wünschen."

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